„Wo Bildung endet…“

Mit dem Statement „Wo Bildung endet, beginnt Extremismus“ bringt es die Bundesschülerkonferenz im Mai 2025 in ihrem Online-Kommentar auf den Punkt (https://bundesschuelerkonferenz.com/wo-bildung-endet-beginnt-extremismus-die-bundesschuelerkonferenz-fordert-reform-des-unterrichts/). Sie fordert: „Aufklärung über heutigen Rechtsextremismus muss früh beginnen und in allen Schulformen gleichermaßen verankert werden. Neben der historischen Perspektive müssen Schüler*innen lernen, Parallelen zu aktuellen Entwicklungen selbst zu erkennen, beispielsweise im Rahmen von Projekttagen. Demokratiebildung darf nicht an Stundenplänen scheitern. Sie lebt davon, dass wir sie üben – jeden Tag, in jeder Klasse. Politische Bildung muss deshalb fächerübergreifend gestärkt werden. Fächer wie Politik oder Sozialkunde dürfen nicht ins Abseits gedrängt werden – sie müssen ausgebaut, aufgewertet und auch in der Oberstufe verpflichtend angeboten werden. Schüler*innen müssen lernen, zu streiten – sachlich, respektvoll, mit Haltung. Lehrkräfte sind dabei zentrale Begleiter*innen.“

Wie dringend die Umsetzung dieses schulpolitischen Appells ist, belegt die neueste Studie der Bundesregierung, der Monitor des MOTRA-Forschungsverbunds 2024/25 (https://www.motra.info/motra-monitor-2024-25/) über Extremismus in Deutschland. Insbesondere bei jüngeren Menschen ist demnach ein bedenklicher Anstieg von rechts- und linksradikalem sowie islamistischem Extremismus zu verzeichnen. Kathrin Klette fasst am 6. März 2026 auf www.nzz.ch die Ergebnisse des Monitors wie folgt zusammen (Auszüge):

> Laut den Forschern setzten sich vor allem bei jüngeren Menschen latent rechtsextreme Einstellungen durch. So seien im vergangenen Jahr 27,3 Prozent der unter Vierzigjährigen für dieses Gedankengut aufgeschlossen gewesen; 5,7 Prozent seien «manifest rechtsextrem» eingestellt. (…)
Auch unter Muslimen waren es laut dem Bericht eher die Jüngeren, die den Ideen des politischen Islam zuneigten. Mit 11,5 Prozent seien manifest islamistische Haltungen bei den unter Vierzigjährigen am stärksten verbreitet, hiess es; 33,6 Prozent hätten solchen Positionen teilweise zugestimmt. (…)
Judenfeindliche Haltungen seien bei Muslimen ebenfalls auf deutlich mehr Zustimmung getroffen. 2021 zeigten laut den Wissenschaftern 12,5 Prozent der Befragten «manifest antisemitische Einstellungen»; 2025 traf dies bereits auf 27,2 Prozent zu. Auch hier beobachteten die Forscher unter jüngeren Muslimen die stärksten Zuwächse. (…)
Soziale Netzwerke spielen bei der Radikalisierung offenbar eine zentrale Rolle. Tiktok, Telegram und Facebook seien die Plattformen, auf denen besonders viele Personen mit extremistischen Einstellungen zu finden seien, heisst es in dem Bericht. <<

Der vollständige Artikel ist hier zu lesen:
https://www.nzz.ch/international/in-deutschland-sind-extremistische-positionen-weit-verbreitet-das-besagt-zumindest-eine-studie-der-regierung-ld.1928053

Und www.rnd.de weist auf eine Feststellung der Studie hin, dass mangelnde Bildung in der Tat extremistische Tendenzen bei jüngeren Menschen fördert:

> Manifest rechtsextreme Einstellungen finden sich deutlich häufiger bei Menschen mit niedrigem Bildungsniveau. Bei Befragten, die maximal einen Hauptschulabschluss erreicht haben, lag der Anteil derjenigen, die solche Ansichten vertreten 2025 bei 11,1 Prozent. Unter Menschen mit Abitur waren es 1,4 Prozent. <<

Quelle: https://www.rnd.de/politik/alarmierende-bka-studie-jeder-dritte-unter-40-jaehrige-offen-fuer-rechtsextreme-ansichten-ZRJ3SZEUPBHWVDVNEMVSRS4XRA.html

Doch Schulen und Politik allein können den wachsenden Extremismus junger Menschen nicht aufhalten – es sind auch und vor allem die Eltern gefragt! Elternschaft hört nicht mit der Zeugung auf, sondern fängt mit der Geburt der Nachkommen in Form zeitaufwändiger Erziehung erst richtig an. Wenn Eltern ihre Kinder beim Konsum von Social Media sich selbst überlassen, müssen sie sich nicht wundern, wenn diese noch unbefangen und unerfahren von extremistischen Beiträgen auf Tiktok & Co. schonungslos und unkontrolliert manipuliert werden…

Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag „Lasst die Kinder nicht alleine“